Cloud Native – eine kulturelle Entscheidung

Mehr als Container – Wie Cloud Native Unternehmen verändert

Cloud Native hat als Entwicklungsansatz das Ziel, Software so zu bauen, dass die Potenziale der Cloud-Umgebung maximal ausgeschöpft werden mit Vorteilen für sowohl den Software-Lieferanten als auch für den Kunden. Dabei wird Software auf der Cloud für die Cloud entwickelt und auf eine Architektur aus Microservices gesetzt, die in Containern gebündelt werden. Cloud Native ist aber nicht nur eine Herangehensweise, Software zu bauen, sondern eine Kultur, ein Mindset: „Cloud-native is a culture for building software“[1] –  Letztlich geht es zwar darum, gute Software zu liefern, die das Potenzial der Cloud nutzt [2], aber genau in diesem Potenzial verbirgt sich für das Unternehmen viel mehr; Cloud Native verändert die Wettbewerbsposition des Unternehmens. Continuous Integration und Continuous Deployment von Microservices in der Cloud führen zu schnelleren Releasezyklen, das Outsourcing der Hardwarebereitstellung und schließlich auch zu einem besseren Erlebnis für den Kunden. [3] Mehr Flexibilität und Agilität erlauben es, schnell auf Dynamiken des Wettbewerbs zu reagieren. Innovative Ansätze stellen nicht länger eine Bedrohung dar, sondern eine Chance für neue Geschäftsmodelle. Deshalb ist Cloud Native nicht nur eine technologische Entscheidung, sondern ein Unternehmensziel, das den Fokus auf die Modernisierung sämtlicher technologischer, organisatorischer und kultureller Prozesse lenkt.[2] Für das Management entsteht hieraus die Herausforderung, das gesamte Unternehmen auf Cloud Native auszurichten.

Container ohne Kultur – effizient oder kostspielig?

Auch eine Kulturtransformation bleibt nicht ohne Kosten – neben einer hohen Zeitinvestition spielen häufig auch Akzeptanzverluste eine Rolle. Warum reicht also nicht einfach der reine Technologie-Einsatz? Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine Person, die lange mit einem Kleinwagen gefahren ist, vorausschauend, eher langsam und vorsichtig, investiert in einen Sportwagen. An der Stelle hat die Person zwei Möglichkeiten: Sie kann entweder ohne Übung mit voller Geschwindigkeit losfahren oder aber sie fährt wie zuvor; vorsichtig und vorausschauend. Die Konsequenzen beider Szenarien sind schnell klar: Möglichkeit 1 birgt viele Gefahren und bei Möglichkeit 2 sind der hohe Benzinverbrauch und Anschaffungspreis des Sportwagens die einzigen Dinge, die davon übrig bleiben. Ersetzen Sie ‚Sportwagen‘ mit Cloud Native und die Antwort ist eindeutig: Es ist nicht ausreichend, die besten Tools zu nutzen, wenn diese nicht in der passenden Art und Weise genutzt werden. Das führt entweder zu einem hohen Risiko oder einer Menge ungenutztem Potential. Die durch Cloud Native gewonnene Schnelligkeit bedeutet nur dann einen Fortschritt, wenn a) die Teams ebenso agil arbeiten wie die Anwendungen es verlangen und b) das richtige Produkt geliefert wird. Denn das ist letztendlich das Einzige, was für den Kunden zählt.

Problematisch ist aber vor allem, dass ein Einsatz von Cloud Native ohne die passende Herangehensweise nicht nur keinen Gewinn bedeutet – es entsteht sogar ein Verlust. Wer eine neue Technologie auf alten Strukturen nutzt, riskiert eine schlechtere Qualität bei längeren Lieferzyklen sowie eine schlechtere   – also genau das Gegenteil des eigentlichen Ziels von Cloud Native.

Zu behaupten, es gäbe die eine Kultur, die Cloud-Native-Organisationen implementieren sollten, wäre zu einfach. So unterschiedlich Unternehmen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Unternehmenskulturen. Dennoch gibt es vier Dimensionen einer Kultur, die den Nutzen der Cloud-Native-Technologie erst ermöglichen:

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Ambidextrie für die Balance zwischen Kreativität und Effizienz.

In einer Cloud-Native-Kultur spielt Kreativität als Voraussetzung für Innovation eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gilt es aber, in der richtigen Phase auf Effizienz umzuschwenken. Um die schnellere und qualitativ hochwertigere Software liefern zu können, die durch Cloud Native erst möglich wird, muss genau dieser Spagat gelingen.

Kollaboration für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Cloud-Native-Organisationen zeichnen sich durch Dezentralität aus; in der Softwareentwicklung, im Softwarebetrieb und auch in der Entscheidungsfindung. Umso wichtiger ist eine gute und offene Zusammenarbeit auf allen Ebenen des Unternehmens; nur dann können Entscheidungen effektiv getroffen werden – und zwar dort, wo letztendlich gehandelt wird.

Agilität für eine gute Reaktionsfähigkeit auf dynamische Herausforderungen.

Ein agiles Mindset mit regelmäßigen Feedbackzyklen ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Fehler, neue Herausforderungen und Chancen. Dynamische Strategien geben eine grobe Richtung vor, lassen aber Raum für kurzfristig auftretende Veränderungen. Die Flexibilität und Schnelligkeit die Cloud Native ermöglicht, können nur durch das dazugehörige agile Mindset ausgeschöpft werden. Mehr noch: auf diese Weise lässt sich ein schnellerer ROI erzielen.

Stetige Entwicklung für eine kontinuierliche Verbesserung.

Nicht nur die kontinuierliche Integration und Bereitstellung der Services stellt ein Paradigma von Cloud Native dar; auch die kontinuierliche Entwicklung der Fähigkeiten der Mitarbeitenden nimmt eine wichtige Rolle ein. Der Glaube daran, dass Lernen und stetige Verbesserung erstrebenswert sind, machen eine Cloud-Native-Kultur unter anderem aus. Experimentierfreudigkeit aber auch eine psychologisch sichere Umgebung mit einer ausgeprägten Feedbackkultur sind dazu der Schlüssel. Auf diese Weise wird, um bei der Kontinuität zu bleiben, auch das CI/CD-Paradigma bei steigender Qualität ermöglicht.

Die Cloud-Native-Kultur ähnelt stark dem agilen Kulturansatz. Während agile Organisationen das Risiko einer ungewissen Zukunft durch kurzfristige Ziele minimieren und Software in kleineren Paketen schneller entwickeln, arbeiten sie doch in Teams an der Erfüllung dieser definierten Ziele[2]. In einer Cloud-Native-Organisation minimieren Mitarbeitende Risiken, indem sie mit den ständigen Veränderungen der Unternehmensumwelt stetig dazulernen und dieses Wissen direkt und ohne Umschweife in die Anwendung miteinfließen lassen. Durch CI/CD passt sich die Software kontinuierlich an Kundenbedürfnisse an. Somit realisieren Mitarbeitende einer Cloud-Native-Organisation nicht einzelne kurzfristige Ziele, sondern folgen einer größeren Vision[2], wobei die Umsetzung durch neue Erkenntnisse stetig beeinflusst wird und dadurch unvorhersehbar bleibt.

Eine Cloud-Native-Kultur ersetzt also nicht die Technologie, ebenso wenig kann die Cloud-Native-Technologie eine fehlende Kultur kompensieren. Beide Aspekte sind Teil einer Cloud-Native Organisation und ermöglichen sich in einer synergetischen Beziehung gegenseitig.

Ihr Weg zur Cloud-Native-Kultur

Eine Kulturtransformation ist schwieriger als die Einführung einer neuen Technologie – aber umso bedeutender für den Lebenszyklus dieser neuen im Unternehmen. Unternehmenskultur entsteht aus dem gemeinsam Gelernten.[1] Um eine Kulturtransformation in Richtung einer Cloud-Native-Kultur zu erreichen, muss sich der Cloud-Native-Ansatz bewähren. Mitarbeitende und Kunden müssen erkennen können, dass Fehler schneller behoben, Updates schneller umgesetzt und Ressourcen besser skaliert werden können. Deshalb ist Transparenz für eine erfolgreiche Cloud-Native-Transformation so wichtig; produktives Feedback, eine sichere Umgebung und das 100%ige Commitment des Managements [2]  schaffen den nötigen Kontext, um alle Mitarbeitenden auf dem Weg zu einer Cloud-Native-Organisation abzuholen und mitzunehmen. Ziel ist es hier vor allem, zum einen die Bedeutung der Cloud-Native-Kultur für den Nutzen der Cloud-Native-Technologie herauszustellen und zum anderen zu verdeutlichen, inwiefern Cloud Native über Agilität hinausgeht. Dazu muss der Fokus von agilen Scrum-Teams auf den Aufbau eines Kernteams gelenkt werden, das die Transformation vorantreibt, ergänzt durch ein Plattformteam, das die Cloud-Native-Plattform entwickelt. Auf diese Weise haben die sogenannten Build-Run-Teams die Kapazitäten, die Verantwortung für die Entwicklung, Bereitstellung und Wartung der Microservices zu übernehmen. SRE-Teams stellen dabei die kontinuierliche Verbesserung der Plattform sicher.[5] 

Und wie so oft gilt auch hier: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Zunächst müssen sich Treiberinnen und Treiber der Transformation selbst die Fragen stellen: Wo stehen wir, wo wollen wir hin und vor allem: Warum? Eine Bestandsaufnahme der eigenen Kultur kann zum Beispiel durch Interviews und Beobachtungen geschehen. In Workshops erarbeitete Visionen und Werte müssen in erster Linie von Führungskräften vorgelebt und unternehmensweit kommuniziert werden. Je mehr sich die Werte einer Cloud-Native-Kultur lohnen desto eher wird sie als Enabler für Cloud Native erkannt, akzeptiert und gelebt. Denn letztendlich ist die Kultur genau das: Ein Enabler für den optimalen Nutzen aus der Cloud-Native-Technologie.

[1] Ambassador. (o. D.). Cloud Native | Ambassador. Getambassador. Abgerufen am 17. Juni 2021, von https://www.getambassador.io/learn/kubernetes-glossary/cloud-native/#:%7E:text=What%20is%20Cloud%20Native%3F,workflow%2C%20with%20decentralized%20software%20architectures
[2] Reznik, P., Gienow, M. & Dobson, J. (2019). Cloud Native Transformation. Van Duuren Media.
[3]  Rentrop, C. (2020, 12. Februar). 6 Cloud-Native-Versprechen. Cloud Computing-Insider. https://www.cloudcomputing-insider.de/6-cloud-native-versprechen-a-904420/
[5] Organization & Culture Patterns. (o. D.). Cnpatterns. Abgerufen am 8. Juli 2021, von https://www.cnpatterns.org/organization-culture

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