Eco-System vs. Ego-System – Quo vadis?

In diesem Expert View erfahren Sie,

  • wie Sie ein Ego-System vermeiden und ein echtes Eco-System aufbauen,
  • worauf Sie bei der Partnerwahl für ein Eco-System achten sollten und
  • ob Sie ein eigenes Eco-System aufbauen oder sich an einem bestehenden System beteiligen sollten.

Definition Eco-System

Der Begriff Eco-System (Ökosystem) kommt ursprünglich aus der Ökologie. James F. Moore benutzte diesen Begriff erstmals 1993 in einem wirtschaftlichen Zusammenhang in dem Fachartikel “Predators and Prey: A New Ecology of Competition”, erschienen im Harvard Business Review. Direkt in seinem anfänglichen Statement macht Moore klar, dass Unternehmen nicht in einem Vakuum wachsen können. Sie benötigen hierfür kooperative Netzwerke – Eco-Systems.

Ein wirtschaftliches Ökosystem ist ein Verbund von Unternehmen / Akteuren, die durch einen Orchestrator auf eine gemeinsame Wertschöpfung ausgerichtet sind. Der Kundennutzen des Eco-Systems ist höher als die Summe der Leistung der einzelnen Akteure.

Digitale Ökosysteme bestehen aus Unternehmen, Menschen, Daten, Prozessen und Dingen, die durch die gemeinsame Nutzung digitaler Plattformen miteinander verbunden sind. Die relevanz digitalen Ökosystemen lässt sich schon lange nicht mehr verleugnen und bietet enormes Wachstumspotenzial. Sehr gut visualisiert dies der Plattform-Index, der 15 der größten digitalen Plattform kombiniert.

Ego-System

“Einen enormen Kundennutzen anbieten”, das klingt doch sehr gut und sollte das Ziel einer jeden Firma sein. Spricht man dann mit Industrievertretern und Unternehmensentscheidern, wird schnell klar, dass viele Unternehmen gar kein “richtiges” Ökosystem aufbauen wollen. Die Angst, dass die eigenen Kunden zur Konkurrenz abwandern könnten, wenn die Mitbewerber auf einem gemeinsamen Ökosystem agieren, ist groß.

Nichtsdestotrotz will man natürlich am Hype digitaler Ökosysteme teilhaben. Also wird ein Konzept entwickelt und gestartet, aber durch die vorherrschende Ängstlichkeit wird ein “Pseudo-Ökosystem” kreiert. Es sind keine Anbieter aus dem gleichen Segment dabei und auch Partner, die die eigene Leistung ergänzen, partizipieren nur rudimentär am Netzwerk. Man kreiert ein “Ego-System”. Das mag vielleicht gut für das eigene Ego und die PR sein, spielt aber in der Regel nur eine untergeordnete Rolle für die Kunden, da kein wirklicher Mehrwert generiert wird. Somit bleiben Mehrumsatz und neue Kunden aus.

Ein weiterer Punkt, warum einige Unternehmen davor zurückschrecken ein eigenes Eco-System aufzubauen, ist die Komplexität eines solchen Vorhabens. Zum einen müssen organisatorisch und technisch neue Strukturen geschaffen werden als in der Stammorganisation vorhanden sind. Zum anderen ist die Etablierung eines Ökosystems relativ diffizil. Beginnend bei der Akquisition der einzelnen Akteure, Stichwort “multi-sided-market”, bis hin zur Erarbeitung grundlegend neuer Angebote müssen initial viel Know-how, Zeit und Kapital eingebracht werden. Auch hier wird in der Regel halbherzig vorgegangen und es wird ein Ego-System kreiert, welches sich nur um die vorhandenen, eigenen Strukturen und Produkte dreht. Von Co-Creation, Kooperation und Schaffung gemeinsamer Werte keine Spur.

Eigenes Ökosystem aufbauen oder an bestehendem teilhaben?

Dabei haben digitale Ökosysteme ein enormes Potential in Bezug auf die Entwicklung neuer digitaler Produkte und Geschäftsmodelle. Laut unserer letztjährigen Studie “Erfolgreiche Geschäftsmodelle mit IoT-Plattformen und Eco-Systemen” sind diese beiden Punkte die Haupttreiber für die Etablierung oder Beteiligung an digitalen Ökosystemen.

Eco-System-vs-Ego-System_Eco-System-Ziele

Um diese potentiellen Ziele zu erreichen, muss aber nicht zwangsweise ein eigenes Ökosystem erschaffen werden. In vielen Fällen gibt es schon erste Ökosysteme, an denen man als Unternehmen partizipieren kann und sollte. 

Tatsächlich ist dies vermutlich der leichtere Schritt. Ein Grund, warum knapp die Hälfte der befragten Unternehmen aus der Studie sich an Ökosystemen anderer Unternehmen beteiligen. Immerhin baut aber ein Drittel ein eigenes Ökosystem auf, hoffentlich auch ein echtes Eco-System und kein Ego-System.

Eco-System-vs-Ego-System_Eco-System-Strategie

Der Vorteil bei dem Anschluss an ein bestehendes Ökosystem ist, dass man selber die initiale Aufbauarbeit einspart und trotzdem durch die Netzwerkeffekte profitieren kann.

Schafft man es, ein eigenes Ökosystem aufzubauen, zu etablieren und profitabel zu monetarisieren, winkt langfristig ein höherer Return on Invest. Durch die Bereitstellung neuer Produkte und Geschäftsmodelle verdient das Ökosystem bei jeder Transaktion mit, ganz gleich ob es das Mutterunternehmen oder ein Mitbewerber ist.

Als Beispiel kann hier Amazon genannt werden: Als virtueller Buchhändler gestartet haben sie den online Marktplatz so weit aufgebaut, dass sie nicht mehr nur Händler sind. Sie haben ihren Marktplatz für jeden Verkäufer geöffnet. Nach dem initialen Aufbau sind sie an jeder Transaktion, jedem Verkauf prozentual beteiligt und generieren somit einen deutlich höheren Umsatz als hätten sie ihren Webshop nicht zu einem Ökosystem umfunktioniert.

Wie wähle ich die Partner, damit es kein Ego-System wird?

Ganz gleich ob Sie ein eigenes Eco-System aufbauen wollen oder Sie sich an einem beteiligen wollen – es steht und fällt mit den teilnehmenden Partnern. Sie sollten das gleiche Mindset haben und immer an den Mehrwert für die Kunden denken. Nur so kann ein Ego-System vermieden werden. Bei der Auswahl Ihrer Partner sollten Sie sich über folgende Punkte Gedanken machen:

  • Jeder Teilnehmer des Ökosystems sollte schon für sich alleine sehr stark sein. Integriert man erfolglose Unternehmen, färbt das auf das gesamte Ökosystem ab.
  • Der Mehrwert für den Kunden ist erheblich und schafft etwas, das nicht auf die gleiche Weise erreicht werden kann, wenn einzelne Angebote getrennt gekauft werden.
  • Alle Partner sind bereit dazu, ihre Informationen und ihr Wissen zu teilen und dem Ökosystem zur Verfügung zu stellen.
  • Alle Partner sind Willens, gemeinsam zu experimentieren, um neue digitale Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wenn Sie diese Punkte beachten und beherzigen, laufen Sie nicht die Gefahr, ein Ego-System zu entwickeln. Sie kommen dann einem funktionierendem Eco-System schon ein gutes Stück näher.

Weitere Erfolgsfaktoren für ein digitales Ökosystem

Um ein digitales Ökosystem erfolgreich aufzubauen, benötigen Sie aber noch mehr als die richtigen Partner und das Management dieser. Weitere Punkte, die mit berücksichtigt werden müssen sind:

  • Erschaffung und Strukturierung der Datenbasis, eines Data Lakes
  • Verarbeitung der Daten durch Machine Learning & Analytics
  • APIs für den Zugriff der jeweiligen Partner
  • Business Logiken & Bezahlmodelle abhängig von den Use Cases
  • Neues Denken in Ihrer Organisation und im Management

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Eco-Systems wie mit Lego gebaut sein sollten: kompatibel, erweiterbar und sehr flexibel.

Kann und will ich ein eigenes Ökosystem aufbauen?

Jetzt müssen Sie nur noch folgende Frage beantworten: “Kann und will ich ein eigenes Ökosystem aufbauen oder schließe ich mich einem bestehenden an? Oder gar beides?”

Dies sollte genau überlegt werden. Für viele Unternehmen lohnt sich ein eigenes Eco-System nicht: Neben dem erwähnten sehr komplexen Aufbau gilt es auch, das System zu erhalten und zu erweitern, mit den bestehenden Partnern zu kommunizieren und neue hinzuzugewinnen. Eine erhebliche Ressourcenbindung ist vorprogrammiert. Vorsicht ist geboten.

Sollten Sie diese Frage nicht alleine diskutieren wollen, kontaktieren Sie uns sehr gerne.

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