PaaS – Das Für und Wider standardisierter Entwicklungs- und Betriebsplattformen

PaaS-Angebote sind heute bereits vielfach fester Bestandteil moderner Software-Entwicklungs-, Test- und Betriebsverfahren. Allerdings werden diese Angebote vorwiegend im Anglo-amerikanischen Raum und von Entwicklern genutzt, die nicht oder nur selten im Unternehmensumfeld tätig sind. Grund dafür war die bis vor kurzem limitierte Verfügbarkeit von Alternativen zu den großen Public Cloud Angeboten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Plattformen in Deutschland erst von rund 16 Prozent der Software-Anbieter regelmäßig für Test und Entwicklung genutzt werden.

ISV 3.2 Bild 1Crisp Research hat im Auftrag von PIRONET NDH eine Studie innerhalb der deutschen Softwareindustrie zum Thema „Cloud Transformation“ erstellt, welche die Wahrnehmung des Paradigmenwechsels im deutschen IT-Mittelstand deutlich widerspiegelt. Fast ein Drittel aller Befragten (33 Prozent) befindet sich derzeit in der Evaluierung von PaaS-Plattformen. Weitere 32 Prozent nutzen solche Angebote nur punktuell und limitiert. Das heißt vor allem eines: Der Markt ist noch in großer Bewegung, da rund zwei Drittel der ISVs noch keine abschließende Entscheidung zu diesem Thema getroffen hat. Der Kampf um diese wichtige Zielgruppe hat also gerade erst begonnen und noch ist unklar wer als Sieger hervorgehen wird. Allerdings gibt diese aktuelle Studie deutliche Hinweise, wo die Reise hingehen könnte, haben doch die meisten Software-Anbieter klare Vorstellungen von Deployment-Varianten und sonstigen Anforderungen.

Der Reifegrad des Marktes und der Technologie von Platform-as-a-Service wächst fortwährend. Beispielsweise stellen sogenannte Application-Plattform-as-a-Service-Umgebungen (aPaaS) eine Oberfläche zur Verfügung, auf der sich Unternehmensanwendungen entwickeln und betreiben lassen. Diese verfügen über eine graphische Weboberfläche und diverse, vorkonfektionierte Schnittstellen für die Programmierung (API). APaaS-Umgebungen können dank einer grafischen Oberfläche und einer Bibliothek mit vorgefertigten Anwendungen die Entwicklung und Bereitstellung von Geschäftsanwendungen beschleunigen.

Platform-as-a-Service: Pro und Kontra

Diejenigen Softwarehäuser und ISVs, die einen PaaS bereits im Einsatz haben, sehen die Beschleunigung von Geschäftsprozessen (57 Prozent) als den maßgeblichen Faktor. Die Anforderungen an ein schnelles Going-Live, kürzere Innovationszyklen und agile Entwicklungsmethoden wie Scrum erhöhen kontinuierlich den Druck auf die Software-Industrie ihre Prozesse zu beschleunigen. Der Einsatz von PaaS erscheint hier ein probates Mittel. Dazu passt auch die Aussage, beziehungsweise die Erwartung von 43 Prozent der Befragten, die Standardisierung und Automatisierung ihrer Test- und Entwicklungsprozesse zu erhöhen. Dies ist eine der zentralen Voraussetzungen zur Prozessbeschleunigung.

Auch zum Thema Testing gibt es hohe Erwartungen. So versprechen sich 43 Prozent der ISVs mehr Geschwindigkeit und Flexibilität durch den Einsatz von PaaS.Erstaunlicherweise spielt für viele Software-Anbieter das eigene Image als innovatives Unternehmen eine überaus wichtige Rolle, teilweise sogar mehr als technologische oder finanzielle Aspekte. So ist die für rund 31 Prozent ein maßgeblicher Grund für die Nutzung von PaaS.

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Immerhin jede vierter Befragte (26 Prozent) erhofft sich durch Platform-as-a-Service eine Entlastung seiner Entwicklungs- und R&D-Budgets. Dass sich 23 Prozent der Befragten eine Reduzierung der Fehlerquoten erwarten, passt deshalb dann auch gut in das Gesamtbild, ist die Folge davon doch eine Senkung der Kosten. Die Erwartungen sind also hoch und die möglichen positiven Effekte werden auch von denjenigen nicht bestritten, die sich derzeit noch nicht eine solche Plattform nutzen. Für die überwiegende Mehrheit der befragten ISVs (76 Prozent) liegt die Nichtnutzung von PaaS schlicht in mangelnder Erfahrung und nicht vorhandenen Kenntnissen begründet. Die Komplexität und Vielfalt der angebotenen Services ist groß und nicht alle Softwarehersteller verfügen über genügend junge Talente, die intuitiv mit solchen Plattformen umgehen können.

Die Einschränkungen durch das Programmiermodell und durch APIs sehen 58 Prozent als einen weiteren wichtigen Grund. Aufgrund der noch jungen Thematik fürchten die Softwarehersteller offenbar Fehler zu machen und sowohl einen zeitlichen als auch einen qualitativen Nachteil erleiden zu können. Bedenken mit einem Vendor Lock-in haben die wenigsten, da die verteilte Angebotsstruktur offensichtlich bekannt ist. Für rund ein Fünftel (24 Prozent) sind nicht kalkulierbare Kosten ein Grund nicht auf PaaS-Angebote zu setzen. Die Studie zeigt auch, dass in Zukunft ein Markt für „Managed PaaS“  entstehen wird, geben doch 22 Prozent der ISVs an, dass die Nutzung im Rahmen eines Self-Service Modells nicht praktikabel ist.

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Abschließend bleibt festzustellen, dass viele der ablehnenden Gründe „heilbar“ sind, dies gilt insbesondere für die Themen Erfahrung und Kenntnisse, sowie für die Prognostizierbarkeit von Kosten. Die vollständige Studie „Auf dem Weg in die Cloud Transformation – Zukunft der deutschen Softwareindustrie“ gibt es kostenlos zum Download unter:

http://www.pironet-ndh.com/PaaS+…+Softwareherstellern

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