Was ISVs beim Gang in die Cloud vermeiden sollten

Vom Lizenzverkauf zum digitalen Plattform-Business

Bei der Bereitstellung von Standard-Software wird die Cloud mehr und mehr zur Nummer 1 Option. Auch individuelle Software und der Betrieb von IaaS & PaaS nehmen täglich zu. Während Unternehmen noch vor einigen Jahren ihre traditionell gekaufte Lizenz-Software eigenverantwortlich  “On-Premise” bzw. im eigenen Rechenzentrum oder in einer Co-Location betrieben haben, machen sie heute immer häufiger von Anwendungen aus der Cloud Gebrauch. Damit auch Provider und Independent Software Vendors (ISVs) einen einheitlichen Stack unterstützen und die passende Bereitstellungsmethode für die neuen Anforderungen der Kundschaft bieten können, wächst der Druck auf sie, statt klassischer On-Premise-Software vermehrt SaaS-Lösungen bereitzustellen. 

Für traditionelle ISVs, die bislang unabhängig von Software-Herstellern agiert haben, bedeutet die Umstellung auf ein Cloud- und SaaS-Modell eine große Chance und ein ebenso großes Risiko zugleich. Klar bietet eine Cloud-Transformation einerseits Zugang zu neuen Märkten, potentiell hohes Wachstum und die Chance mittels SaaS neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Auch die verstärkte Nachfrage seitens der Unternehmen machen Cloud Computing zum strategischen Paradigma für ISVs und Anbieter von Software und digitalen Diensten. Dennoch kann der Umstieg der Entwicklungsstandards, neue Skills und Prozesse der Teams und ein 24/7-Betrieb mit anderem Abrechnungs- und Bezugsmodell für die Kunden, im Extremfall auch gehörig schief gehen.

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7 Fehler, die es zu vermeiden gilt

Damit ein solcher Fehlschlag nicht zustande kommt, sollten die folgenden Punkte Teil der Vermeidungsstrategie eines jeden ISVs werden:

  • Das Warum aus den Augen verlieren
    Unternehmen, die SaaS-Lösungen beziehen, profitieren von einer Menge an Vorteilen – einfache Implementierung, einem Pay-as-use-Abrechnungsmodell, flexibler Speicher uvm. und lassen die Nachfrage nach Anwendungen aus der Cloud in die Höhe schießen. Dem Einstieg eines ISVs ins Cloud- und Plattform-Business sollten aber weniger die Nachfrage oder neue Märkte zugrunde liegen, sondern viel mehr die technologischen Möglichkeiten, die sich daraus für einen SaaS Provider ergeben. Skalierbare und elastische Anwendungen ist das Zauberwort und sollten im Mittelpunkt des Handelns stehen. Für diese Skalierbarkeit sind Container-Technologien rund um Kubernetes, Docker & Co., die für die Portierbarkeit der Anwendungen auf den verschiedenen Infrastrukturen sorgen, der richtige Weg weg von monolithischen Architekturen und sollten der Treiber für den Gang in die Cloud sein. 
  • Ad-hoc-Entscheidungen
    Um ihren Kunden und Kundinnen mit einer SaaS-Lösung begegnen zu können, müssen ISVs nicht nur ihre Test-, Entwicklungs- und IT-Betriebsprozesse umstellen, sondern auch das gesamte Geschäftsmodell anpassen. Bei der Cloud-Migration sollte der alleinige Fokus nicht auf dem Erzielen von Quick Wins oder auf einem möglichst geringen Kosten- und Zeitaufwand liegen, sondern in der IT-Strategie verankert sein und die notwendigen organisatorischen Maßnahmen für ihre Realisierung ergriffen werden. Sind die Unternehmensziele nicht klar definiert oder ist in der IT-Strategie nicht festgehalten, wie die Cloud-Ausrichtung des Unternehmens für die nächsten Jahre aussehen und welche Roadmap verfolgt werden soll, können SaaS-Insellösungen entstehen, die an den Schnittstellen zu anderen Systemen oder in der Interaktion mit den Mitarbeitern oft einen hohen Aufwand verursachen können.
  • Einheitliche Cloud-Migrationsstrategie
    Bei der Eruierung der passenden Migrationsstrategie sind Informationen zum Lastverhalten, den APIs und Schnittstellen, Releasezyklen, Downtimes, Management-Tooling etc. entscheidend und machen ersichtlich, dass nicht jede Anwendung gleichermaßen migriert werden kann. Die Komplexität der Migration vorhandener Anwendungen hängt von der Architektur und den vorhandenen Lizenzvereinbarungen ab und wirkt sich gleichermaßen auf den Kosten- und Zeitaufwand aus. Von einem one-size-fits-all-Ansatz im Rahmen einer einheitlichen Cloud-Migrationsstrategie für alle Anwendungen sollte man daher absehen. 
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  • Im Alleingang in die Cloud
    24/7, Microservices, Shared Responsibility & Co. – die neuen Aufgaben in der Cloud sollten nicht unterschätzt werden. Selbst für erfahrene Software Developer kann der Wechsel von der Private zur Public Cloud ein schwieriger Übergang sein. Storage Management, User Management oder Datenbanken sind nur einige der Dinge, die in der Cloud zwar anders funktionieren, aber doch effizient genutzt werden sollten. ISVs sollten sich deshalb einen Service Provider ins Boot holen, der je nach Bedarf – angefangen beim Skill-Aufbau, über die Migration, bis hin zum Betrieb – optimal unterstützen kann.
  • Mindset nicht upgraden
    Das Bereitstellen von Anwendungen aus der Cloud erfordert Erfahrung und neue Denkweisen für einen reibungslosen Ablauf. Hatte man volle Kontrolle und konnte man ein Upgrade bei Bedarf durchführen, müssen ISVs, um SaaS-Lösungen auf dem aktuellsten Stand zu halten, nun daran denken, die Unterbrechung auf ein Minimum zu beschränken. Im Idealfall kann eine neue Version die alte Version ohne Downtime ersetzen. Das Zurückfallen in das monolithische Denken macht es aber nicht einfach. Es ist wichtig, dass ein ISV die geeigneten Fähigkeiten im Team sowie Cloud-Native- und Container-Know-how aufbaut oder einkauft. Für die ISVs bedeutet es, dass die Entwicklungsteams dedizierte Skills für den Betrieb aufbauen und sich noch stärker am Betrieb der Lösung orientieren müssen, oder aber, dass sie mit einem DevOps-erfahrenen Service Provider kooperieren. Viele ISVs sind traditionell stark durch Entwicklungskompetenz geprägt. Um auch auf Seiten des Betriebs ebenso erfolgreich und state-of-the-art zu sein, kommen die ISVs nicht umhin, auch ihre Workflows und Organisation zu hinterfragen. In Sachen Time-To-Market und Software Performance kann sich dies allerdings auszahlen.
  • Security vernächlassigen
    Wenngleich Cloud-Plattformen wie die von AWS, Microsoft, Google und Co. sehr gute Security bieten, schützen sie nicht vor Lacks in der eigenen Anwendung. Während bisherige Lösungen nur dort Sicherheitsbedenken aufwerfen konnten, wo eine lokale Nutzung standfand, müssen Anwendungen aus der Cloud vor der Bereitstellung strengen Sicherheitstests unterzogen werden. In einer Cloud-basierten Welt wird zudem ständig an neuen Features gearbeitet und auch die Performance von Anwendungen muss ständig verbessert und an neue Security-Standards angepasst werden. Dies erfordert ein Umdenken der ISVs. Es gilt, entsprechende Organisationsmodelle und Teamstrukturen zu schaffen und eine Innovationskultur zu etablieren, die Konzepte wie DevSecOps umsetzen. Der DevSecOps-Ansatz sieht die Einbindung von Security in den gesamten Development Lifecycle vor und kann zum Beispiel mittels Scans und Monitoring schon frühzeitig Probleme und Fehlerquellen identifizieren.
  • Schwarz-Weiß-Denken
    Das Risiko des “Schwarz-Weiß-Denkens” in Sachen Cloud oder On-Premise ist für viele ISVs sehr hoch. Einerseits braucht die bestehende Kundschaft eine Transitionsphase, um den Weg in die Cloud beschreiten zu können. Andererseits lassen sich einige Anwendungen schwer portieren. Insbesondere Anwendungen mit einem hohen Datenvolumen und Real Time Processing oder Legacy-Anwendungen, die ohnehin schon schwer zu warten sind, erfordern womöglich einen Build-New-Ansatz und damit ein längerfristiges Projekt. Hier sollte die Möglichkeit ergriffen werden, erst das Repertoire um Cloud-Dienste zu erweitern, um anschließend ganz auf die Cloud umzusteigen. So sollte auch evaluiert werden, ob ein hybrider Ansatz sinnvoll ist, um beispielsweise nur jene Teile der Anwendung in die Cloud zu verlagern, die für Storage- und Analytics-Verfahren von Bedeutung sind, während beispielsweise sicherheitskritische oder schützenswerte Daten weiterhin On-Premise bleiben.

Der Wechsel eines ISVs in die Cloud ist kein Spaziergang. Der Umgang mit neuen Technologien und der Aufbau neuer Fähigkeiten benötigen Zeit. Die Experten und Expertinnen von Cloudflight helfen Ihnen, den richtigen Weg bei der Transformation zu einem agilen Cloud- und IT-Operations-Modell zu finden. Kontaktieren Sie uns.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im kostenfreien White Paper “Vom Software-Anbieter zum digitalen Plattform-Business”. Dieses hat Cloudflight zusammen mit Claranet erstellt und zeigt auf, welche Chancen, Verpflichtungen und Arbeitsfelder mit dem Gang in die Cloud verbunden sind. Zudem veranschaulicht eine ISV Cloud Transformation Checkliste die wichtigsten Handlungsfelder für ISVs. 

#Cloudflight

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