Die Digitalisierung führt die Unternehmensagenda von Familienunternehmen an

Familienunternehmen sind wichtig für die deutsche Wirtschaft, denn als großer Teil des Mittelstandes beschäftigen sie die meisten Arbeitnehmer und tragen durch ihre Innovationsfähigkeit und Technologiekompetenzen zu einer florierenden Wirtschaft bei, die sich derzeit im digitalen Wandel befindet.

Im Zuge der digitalen Transformation finden sich deutsche Familienunternehmen zwischen den beiden Polen Tradition und Innovation wieder. Tradition im Sinne ihrer langfristigen Orientierung und dem Ziel der Fortführung der Anteilseigenschaft ihrer Eigentümerfamilie. Und Innovation im Sinne der neuen Anforderungen von schnellen Technologieentwicklungen und Veränderungsprozessen durch den digitalen Wandel.

Wie die deutschen Familienunternehmen im Gegensatz zu anderen mittelständischen und großen Unternehmen die Digitalisierung angehen, hat Crisp Research in Kooperation mit QSC im Rahmen einer empirischen Studie untersucht. Dabei wurden 173 Unternehmensentscheider befragt, von denen 105 in Familienunternehmen beschäftigt sind. Die Inhalte der Studie konzentrieren sich auf die Einschätzung der Familienunternehmen bezüglich ihrer Rolle bei der Digitalisierung, ihre Erwartungen gegenüber den zukünftigen Auswirkungen auf ihre Organisation und Prozesse sowie konkrete Digitalisierungsprojekte und -initiativen, die umgesetzt werden.

Digitalisierung vor Kostenoptimierung und Gewinnmaximierung

Auf der Unternehmensagenda von Familienunternehmen rücken klassische betriebswirtschaftliche Kalküle wie Gewinnmaximierung und Kostenoptimierung derzeit immer weiter nach unten und werden von dem großen Trendthema Digitalisierung, das Unternehmen aller Branchen und Größen umhertreibt, verdrängt. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Familienunternehmen stellt das Thema in seiner Bedeutung ganz nach vorne. Dahinter folgen strategische Initiativen wie die Neuproduktentwicklung und Innovationen (40 Prozent) sowie die Expansion in neue Märkte (39 Prozent). Diese drei Top-Themen hängen eng miteinander zusammen, denn die Digitalisierung bedeutet auch die Weiterentwicklung des eigenen Angebotsportfolios, indem innovative Produkte und Dienstleistungen integriert werden. Bemerkenswert ist auch, dass Familienunternehmen, die oft auf ihr Kerngeschäft spezialisiert sind, das Vordringen in neue Märkte angehen. Somit haben sie erkannt, dass die digitale Transformation Chancen bietet mit neuen Geschäftsmodellen und Produkten zu punkten.

q7_strategischethemenagenda

Nur bei jeweils einem Drittel (32 Prozent) stehen die klassischen Unternehmensziele wie Kostenoptimierung und Gewinnmaximierung strategisch an erster Stelle. Die Optimierung der eigenen Geschäftsprozesse ist für weitere 27 Prozent der Familienunternehmen derzeit das vorrangige Ziel und die Modernisierung der Produktion erscheint für 24 Prozent der Befragten als besonders wichtig. Die Themen Personalgewinnung sowie ökologisches Engagement führen die Agenda von 13 bzw. 11 Prozent der Familienunternehmen an.

Ganz anders sieht es bei den restlichen Unternehmen aus. Dort liegen die klassischen Unternehmensziele wie Kostenoptimierung (44 Prozent) und Gewinnmaximierung (38 Prozent) noch weit vor der Digitalisierung. Nur 27 Prozent der Unternehmensentscheider aus anderen Unternehmen benennen die Digitalisierung als eines der drei strategischen Top-Themen.

Familienunternehmen erkennen das Potenzial der Digitalisierung

Die positive Grundhaltung gegenüber der digitalen Transformation bestätigt sich, wenn die Unternehmensentscheider nach ihren Einschätzungen über die Bedeutung der Digitalisierung gefragt werden. Ein Viertel (25 Prozent) der befragten Familienunternehmen gibt eine sehr hohe Zustimmung zu der Aussage, dass es sich um ein Trendthema handelt, auf das zukünftig definitiv reagiert werden muss. Weitere 57 Prozent der Familienunternehmen geben zumindest eine hohe Zustimmung an. Die meiste Einwilligung erhält die Aus­sage, dass die digitale Transformati­on vielfältige Möglichkeiten bietet, die bestehenden Geschäftsprozesse neu, digital und besser zu gestalten (84 Pro­zent).

q13_positionierung-digialetransformation

Auch sehen die meisten (77 Prozent bzw. 75 Prozent) der familiengeführten Unternehmen in der Digitalisierung einerseits die Chance, neue Umsätze, Geschäftsmodellpotenziale und neue Märkte zu erschließen, andererseits aber auch die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu wahren. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Familienunternehmen das Thema nicht als Hype betrachten, sondern als notwendige strategische Initiative ansehen, die Mehrwerte liefern kann.

Gelder der Familienunternehmen fließen in den Aufbau einer neuen IT-Infrastruktur

Auch die Investitionsbereitschaft der Familienunternehmen in die zukunftsträchtigen Bereiche wird in der Studie deutlich. So will mehr als die Hälfte (55 Prozent) vermehrt in die Digitalisierung investieren. Natürlich hängen damit auch Kosten zusammen, die beispielsweise für die IT-Infrastruktur aufgebracht werden müssen. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Familienunternehmen wollen ihre IT-Architektur erneuern. Vor dem Hintergrund der neuen Anforderungen durch die digitale Transformation erscheint dies als wichtiger Schritt, gilt es doch zukünftig verstärkt hybride und Multi-Cloud Szenarien umzusetzen. Dafür scheinen die meisten Unternehmen IT-seitig noch zu wenig gerüstet zu sein.

Zukünftig stärker gefördert werden sollen auch neue Technologien und Innovationen (50 Prozent), das heißt die Unternehmen wollen mehr Forschungsgelder für die Weiterentwicklung ihre Portfolios ausgeben.

q8_bereich-investition

Ebenfalls einen wichtigen Punkt stellt die Aus- und Weiterbildungsoffensive der Mitarbeiter dar, denn in Zeiten der digitalen Transformation sind es die Mitarbeiter, die die neu eingeführten Technologien nutzen und verstehen müssen. Somit werden sie ihre Fach- und Technologiekompetenzen ausbauen müssen, was etwa jedes dritte Familienunternehmen (36 Prozent) zukünftig angehen möchte.

Im Vergleich dazu treten die restlichen Unternehmen deutlich zögerlicher bei ihrer Investitionsbereitschaft in die Digita­lisierung und die neue IT-Infrastruktur auf. Es ist möglich, dass die anderen Unternehmen schon ein ohnehin höheres Budget bereithalten und daher die Aufstockung nicht not­wendig ist. Andererseits kann es aber sein, dass andere Themen bei ihnen im Vordergrund stehen als dies bei den Familienunternehmen der Fall ist.

Somit ist festzustellen, dass Familienunternehmen die strategische Bedeutung der Digitalisierung erkannt haben und zukünftig ihr Budget für notwendige Initiativen aufstocken werden. Eine hierfür ausgearbeitete Digitalisierungsstrategie stellt den Grundpfeiler dar, reicht aber noch nicht aus. Entsprechende Taten müssen folgen.

In einem weiteren Beitrag werden die Erwartungen und Herausforderungen gegenübergestellt, die von den befragten Familienunternehmen bei der digitalen Transformation berücksichtigt werden. Die Studie „Familienunternehmen im digitalen Wandel“ können Sie kostenlos herunterladen.

Schreiben Sie uns

Schreiben Sie uns

Menü